Thema 5

Erneuerbare Energien in Deutschland: Heiß begehrt, aber nur begrenzt verfügbar

Deutschland hat sich kürzlich das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 gesetzt. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn das derzeitige Energiesystem vollständig auf der Nutzung Erneuerbarer Energien in jeglicher Form basiert. Erneuerbare Energien sind Grundlage jeglicher Prozessumstellungen in allen Sektoren wie zum Beispiel Industrie, Verkehr oder Gebäudewärme. Ein solch umfassendes Defossilisierungsprogramm wird die Nachfrage nach Grünstrom zwangsläufig überdurchschnittlich steigern und zwingt uns zu einem massiven und zeitnahen Ausbau von Erneuerbaren Energieanlagen.

Der Weg des Ausbaus ist auch nach 20 Jahren intensiver Förderung in Deutschland jedoch noch lang. Im deutschen Energiemix machen grüne Energien, vor allem Windstrom an Land und Photovoltaik, derzeit zwar gut 40 Prozent an der Stromerzeugung aus, in Betrachtung des Gesamtenergiebedarfs, also einschließlich aller Sektoren, kommt EE-Strom aber nicht über 9 Prozent hinaus.

Um die Zusatzbedarfe an Grünstrom decken zu können benötigen wir einen enormen Ausbau der Windenergie an Land. Aktuell sind rund 30.000 Windenergieanlagen (WEA) Onshore installiert. Für das Jahr 2050 werden je nach Prognose zwischen 37.000 – 65.000 weitere Windräder benötigt. Das heimische Ausbaupotenzial für Wind- und Solaranlagen ist jedoch begrenzt:

  • Für zusätzliche WEA auf See sind die Flächenkapazitäten bereits weitgehend ausgeschöpft.
  • An Land besteht Flächenkonkurrenz mit Anwohnern oder Landwirtschaft. Schon heute gibt es vielerorts lokale Widerstände. Anwohner befürchten eine persönliche, finanzielle oder umweltbezogene Einschränkung von geplanten Windanlagen. Mit dem notwendigen massiven Ausbau werden diese Konflikte deutlich zunehmen. Die Politik versucht mit Mindestabständen von Windanlagen, wie jüngst in Nordrhein-Westfalen, auf Bürgerproteste zu reagieren, wodurch weitere geeignete Flächen ausgeschlossen werden. Akzeptanz wird hier zur wichtigsten Währung.
  • Steigende Grünstrombedarfe in den jeweiligen EU-Mitgliedsstaaten begrenzen das Stromimportpotenzial für Deutschland aus dem innereuropäischen Ausland. Zudem sind dort Flächenkonkurrenzen ähnlich stark ausgeprägt. Der Blick muss auf globale Regionen mit deutlich geringeren EE-Erzeugungskosten geweitet werden.

Wollen wir also den Verkehr sowie die Gebäudewärme klimaneutral betreiben und die Akzeptanzprobleme angehen, sind grüne Energieimporte eine geeignete Lösung:

  • Die Standortkonflikte können umgangen werden: Anders als in Europa besitzen internationale Standorte zur Energiegewinnung ein enormes Flächennutzungspotenzial und haben eine deutlich geringere Bevölkerungsdichte (Deutschland: 233 Personen/km²). So leben beispielsweise in Patagonien (Südamerika) oder Nordafrika durchschnittlich nur 2 bis max. 33 Personen auf einem Quadratkilometer.
  • Ein weiterer Standortvorteil ergibt sich aus der hohen Zahl an Volllaststunden, die große Stromerzeugungsmengen ermöglichen: So erzeugt eine Solaranlage an einem durchschnittlichen Standort in Deutschland nur rund 40% der Strommenge pro Jahr, die eine vergleichbare Anlage in Nordafrika produziert. Mit PV-Systemen auf einer Wüstenfläche von etwa 1.000 mal 1.000 km in Nordafrika könnte eine Strommenge erzeugt werden, die bilanziell den heutigen weltweiten Primärenergiebedarf deckt (Thema 3 in dieser Ausgabe).
  • Neben der Erzeugung muss auch der Transport von Energie berücksichtigt werden. Bei der Weiterverarbeitung vor Ort z. B. in synthetische Flüssigkraftstoffe (E-Fuels) würden sich nicht nur enorme Wertschöpfungspotenziale in Deutschland und den Erzeugerländern ergeben (Thema 2 dieser Ausgabe), die bestehende Transport- und Verteilungsinfrastruktur ließe sich weiterhin nutzen.

UNITI fordert

Es gilt die regulativen Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen und die Förderung von außereuropäischen Energieprojekten in Form von Energiepartnerschaften, sowie die Schaffung von Investitionsanreizen für global installierte Erneuerbare Energien- und PtX-Erzeugungsanlagen anzugehen.

E-Fuels würden als importierte Energieträger mehrere Vorteile bieten:

E-Fuels sind perfekte Energiespeicher und eine Antwort auf die volatile Energieerzeugung von Erneuerbaren Energieanlagen hierzulande bei gleichzeitig fehlenden Übertrags- und Verteilnetzen und Speichermöglichkeiten. Sie würden die nationale Energiewende entlasten, weil der Verkehr und Teile des Gebäudewärmemarktes über importierte Energieträger klimaneutral werden würde, zusätzlicher Grünstrom hierzulande müsste dafür nicht aufgewandt werden. E-Fuels wären damit ein Beitrag für eine verlässliche und hohe Energieversorgungssicherheit. E-Fuels würden als flüssige Importform von Ökostrom Erneuerbare Energien bedarfsgerecht und bezahlbar Energie zur Verfügung zu stellen, was der Wirtschaft und den Verbrauchern zugutekommt.

Eine nationale Importstrategie würde damit die Akzeptanz für die Energiewende und deren Erfolg deutlich steigern, ebenso die Unterstützung in der Bevölkerung für Klimaschutz und dessen Maßnahmen.

Die Politik auf nationaler und europäischer Ebene ist daher aufgefordert, die größtmögliche Technologie- und Standortoffenheit zu wahren, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen.