Thema 2

PtX-Potenzial: 80 Mrd. Euro zusätzliche Wertschöpfung und 1,2 Mio. neue Arbeitsplätze in Europa

Aus grünem Strom hergestellte synthetische Flüssigkraftstoffe können gemeinsam mit nachhaltigen Biokraftstoffen einen wesentlichen Beitrag leisten, weltweit die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die flüssigen Energieträger lassen sich als klimaneutrale Kraftstoffe in Verbrennungsmotoren einsetzen und schaffen damit auch eine wichtige klimapolitische Perspektive für zügige CO₂-Reduktionen in den Bestandsflotten. So entspricht die Beimischung von fünf Prozent emissionsfreier Kraftstoffe beim Pkw- Bestand in Deutschland einem gesamten Jahrgang emissionsfreier Neuwagen.

Die quantitativen Klimaschutz- und Wertschöpfungseffekte strombasierter Energieträger und die damit eingehenden wirtschaftlichen Potenziale für die Länder der EU wurden zum ersten Mal in einem wissenschaftlichen Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im Auftrag von IWO Institut für Wärme und Mobilität e. V., MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland e. V. und UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen e. V., analysiert und aufbereitet.

Emissionen im Verkehr
IW-Gutachten

Das sind die zentralen Ergebnisse des Gutachtens:

Gerade in wirtschaftlich schwächeren Ländern Europas wird eine Defossilisierung des Verkehrssektors durch das Inverkehrbringen von Elektroautos sehr viel länger dauern als in wohlhabenderen Staaten Westeuropas (siehe Thema 6 dieser Ausgabe). Synthetische Kraftstoffe sind hier die einzige Möglichkeit, rasch die CO₂-Emissionen zu mindern.

Das Ziel der vollständigen Klimaneutralität ist nur mit dem Einsatz größerer Mengen synthetischer und biogener Kraftstoffe erreichbar. In einem mittleren Referenzszenario, in dem bis 2050 der Markt für Power-to-X-Anlagen (PtX, Anlagen zur Ausnutzung Stroms aus erneuerbaren Quellen zur Herstellung gasförmiger und flüssiger synthetischer Energieträger) in etwa der Hälfte des heutige Rohölmarktes entspricht, steigt die PtX-Nachfrage auf etwa 20.000 TWh pro Jahr. Um diese Nachfrage zu decken, müssten weltweit etwa 8.000 GW an Anlagen zur Produktion von PtX installiert werden. Für die Produktion synthetischer Kraftstoffe sind somit umfangreiche Investitionen in Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarem Strom und dessen Umwandlung in flüssige Energieträger notwendig.

Durch die Investitionen in Elektrolyseure und Umwandlungsanlagen zur Erzeugung von synthetischen Energieträgern aus erneuerbarem Strom können sowohl europäische Anlagenhersteller als auch die Wirtschaftsregionen an wind- und sonnenreichen Standorten zur Produktion synthetischer Energieträger profitieren.

  • Bei einem jährlichen weltweiten Investitionsvolumen von 215 Mrd. Euro wäre - bei gleichbleibenden Weltmarktanteilen - in Europa ein jährliches Produktionsvolumen für Elektrolyseure von knapp 50 Mrd. Euro darstellbar.
  • Bei einem Hochlauf der PtX-Technologie würde darüber hinaus das durchschnittliche jährliche Produktionsvolumen für sonstige Anlagen zur Herstellung von PtX im europäischen Anlagenbau bei 27,4 Mrd. Euro liegen.
  • Rund 80 Milliarden Euro zusätzlicher Bruttowertschöpfung in der EU durch den Export von Maschinen- und Anlagen zur PtX-Produktion in die außereuropäischen wind- und sonnenreichen Potenzialregionen.

Erwartete jährliche Produktion von Elektrolyseuren

UNITI fordert

Um Investitionen in einen zeitnahen und verlässlichen Hochlauf der PtX-Technologie anzureizen, fordern die Auftraggeber des Gutachtens geeignete politische und regulative Rahmenbedingungen.

Wertschöpfungseffekte der Investitionsgüterproduktion

Der Export von PtX-Anlagen würde für erhebliche Beschäftigungseffekte sorgen:

  • 350.000 zusätzliche Personen würden in der Produktion von Elektrolyseuren und sonstigen PtX-Anlagen beschäftigt.
  • Gut 600.000 Beschäftigte kämen zur Erstellung der Vorleistungen und deren Zuliefernetzwerken hinzu.
  • Weitere rund 250.000 zusätzliche Erwerbstätige sind durch den Gesamteffekt inklusive der durch die zusätzliche Konsumnachfrage ausgelösten Beschäftigungseffekte zu erwarten.
  • Mehr als 340.000 neue hochproduktive Arbeitsplätze können in einem Land mit hohen EE-Potenzialen entstehen, schon wenn dieses nur ca. 2% des weltweiten Bedarfs an synthetischen Energieträgern produziert.

Damit könnten 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze durch die Produktion und den Export von PtX-Anlagen allein in Europa geschaffen werden.

Doch obwohl sich der Weltmarkt für Elektrolyseure zur Erzeugung von Wasserstoff in den letzten 20 Jahren schon verdoppelt hat, fand die Wertschöpfung bislang größtenteils außerhalb Europa statt. Damit sich das ändert, müssen die entsprechenden Investitionen so bald wie möglich getätigt werden.