Thema 4

Ohne E-Fuels im Straßenverkehr kein klimaneutraler Flugverkehr!

Industrie und Politik sind sich einig: Für den klimaneutralen Flugverkehr der Zukunft braucht es synthetische Flüssigkraftstoffe, sog. E-Fuels. So steht es in der PtL-Roadmap „Nachhaltige strombasierte Kraftstoffe für den Luftverkehr in Deutschland“ der Bundesregierung, die mit der Industrie im Mai beschlossen wurde.

UNITI macht darauf aufmerksam, dass sowohl technische als auch wirtschaftliche Gründe dagegensprechen, synthetische Kraftstoffe ausschließlich für den Flugverkehr herzustellen und einzusetzen.

Technische Gründe: Kraftstoffe sind Koppelprodukte

  • Kraftstoffe werden in der sogenannten Koppelproduktion hergestellt, d. h. bei ihrer Erzeugung fallen in Raffinerien zwangsläufig verschiedene Kraftstoffe und andere Erzeugnisse an, vor allem Diesel- und Ottokraftstoff sowie Kerosin. Das gilt ganz gleich, ob fossiles Rohöl (Crude) als Basis verwendet wird oder synthetischer Rohölersatz (E-Crude).
  • Der Anteil von Kerosin an den Koppelprodukten, den man bei der Verarbeitung fossilen Rohöls in einer Raffinerie erhält, beträgt zurzeit in Deutschland zwischen 5 und 10 Prozent. So wurden im Jahr 2019 in deutschen Raffinerien rund 5,1 Mio. Tonnen Kerosin hergestellt, die den inländischen Kerosinbedarf rund zur Hälfte abdecken.

Im Rahmen dieser Koppelproduktion wurden des Weiteren 30,5 Mio. Tonnen Dieselkraftstoff und 19,2 Mio. Tonnen Ottokraftstoff erzeugt. Das deckt die jährliche Nachfrage in Deutschland nach Ottokraftstoff vollständig und nach Dieselkraftstoff zu rund vier Fünfteln ab.

  • Bei der Verarbeitung von E-Crudes lässt sich der Anteil von E-Kerosin am Mix der synthetischen Koppelprodukte erhöhen – um wie viele Prozentpunkte exakt, hängt von den gewählten Weiterverarbeitungsschritten der Fischer-Tropsch-Produkte ab.
  • Bei völlig neuen Raffinerieanlagen, die speziell zur Herstellung von E-Kerosin gebaut werden, kann eventuell die E-Kerosin Ausbeute nennenswert gesteigert werden. Die notwendige Technik ist sehr aufwendig und teuer, entsprechende Anlagen sind noch nicht im Bau.

➠ E-Kerosin ist stets nur eines unter vielen synthetischen Endprodukten des Verarbeitungsprozesses in der Raffinerie!

Wirtschaftliche Gründe: Alle Koppelprodukte müssen vermarktbar sein

  • Die hohe Wettbewerbsintensität im internationalen Flugverkehr sorgt bei Luftfahrtunternehmen für eine große Sensibilität bzgl. der Kerosinpreise. Da Kerosin im internationalen Luftverkehr nicht besteuert wird, erhöhen steigende Kerosinpreise die Kosten für die Unternehmen vergleichsweise stark. Die Luftfahrtunternehmen würden das Tanken in preisgünstigere Regionen verlagern.
  • Für den Absatz fossiler Kraftstoffe gibt es einen stabilen Markt mit weltweiter Nachfrage. Bei synthetischen Kraftstoffen führen dagegen die bislang noch vergleichbar höheren Kosten in Anlagen zur Synthese der E-Crudes dazu, dass sie für die Luftfahrtunternehmen teurer sind und damit im unregulierten Wettbewerb de facto nicht marktfähig wären.
  • Eine möglichst kostengünstige Herstellung von E-Kerosin wäre nur erreichbar, wenn die gesamte Palette an im Raffinerieprozess gewonnenen Koppelprodukten im Markt abgesetzt werden kann. Dafür braucht es geeignete regulatorische Rahmenbedingungen.
  • Anders als in der Luftfahrt ist im Straßenverkehr eine hohe Zahlungsbereitschaft bei Kraftstoffen vorhanden. Dieser würde von einer verbindlichen E-Fuel Beimischungsquote für den gesamten Verkehr ebenfalls erfasst, was für eine ausreichend hohe und stabile Nachfrage nach synthetischen Kraftstoffen sorgen würde. Investitionen in Anlagen zur industriellen Produktion von synthetischen Rohölersatz würden damit angereizt; sinkende Produktionspreise u. a. für E-Kerosin wären die Folge.

➠ Bei der Herstellung der für den deutschen Markt benötigten Menge an E-Kerosin nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren fallen im Rahmen der Koppelproduktion E-Diesel und E-Benzin in Umfängen an, die ausreichen würden, um auch den Straßenverkehr in Deutschland klimaneutral zu gestalten.

➠ Schon aus einem technisch unvermeidbaren Effekt der Herstellung von E-Kerosin erwächst damit die Chance, den Bestand in Deutschland von rund 58 Mio. Kraftfahrzeugen (Pkw, Lkw, Busse, Baumaschinen, landwirtschaftliche Fahrzeuge, etc.), bei dem allein die Pkw zu über 99 Prozent von Verbrennungsmotoren angetrieben werden, beim Erreichen der ambitionierten Klimaziele mit einzubeziehen.

UNITI fordert

In der derzeitigen politischen und medialen Debatte werden technische Grundbedingungen der synthetischen Kerosinproduktion ausgeklammert und ignoriert: Bei der Herstellung von E-Kerosin fallen stets auch Kraftstoffe für den Straßenverkehr an. Diese sollten durch Anpassung der regulativen Rahmenbedingungen auch im Straßenverkehr genutzt werden können.